Montag, 22. August 2016

Interview mit Bernd Aichinger

Mit freundlicher Genehmigung von Literaturtest darf ich euch heute ein Interview mit Bernd Aichinger, Autor des gestern vorgestellten Buches "Interview mit einem Mörder" zeigen.
Vielen Dank dafür!
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Bernhard Aichner
Interview mit einem Mörder
Ein Max-Broll-Krimi
ISBN 978-3-7099-7133-8
Erstverkaufstag: 20. Juli 2016
EUR 19,90, Haymon Verlag

Wären Johann Baroni und Max Broll echte Menschen – ich hätte mit ihnen die Zeit meines Lebens.“ Bernhard Aichner

Max Brolls bester Freund im Visier eines Mörders. Dramatische Szenen bei der Eröffnung des neuen Würstelstandes von Ex-Fußballstar Johann Baroni: Mitten in dem fröhlichen Geschehen fällt ein Schuss – und Baroni sinkt getroffen zu Boden. Totengräber Max Broll ist verzweifelt: Sein bester Freund darf nicht sterben!
Während Baroni im Krankenhaus um sein Leben kämpft, tut Max alles, um den Schützen zu überführen. Denn nur er hat gesehen, wer auf Baroni geschossen hat. Doch der vermeintliche Täter entpuppt sich als harmloser Tourist. Es gibt kein Motiv, keine Tatwaffe, keine weiteren Zeugen – niemand schenkt Max Glauben. Es bleibt ihm nichts anderes übrig, als die Sache selbst in die Hand zu nehmen und sich an die Fersen des Mannes zu heften. Und tatsächlich sitzt er dem Mörder bald gegenüber. Eine rasante Verfolgungsjagd beginnt, die Max bis auf ein Kreuzfahrtschiff im Mittelmeer führt.

Was erwartet Ihre Fans im neuen Krimi „Interview mit einem Mörder“?
Interview mit einem Mörder“ ist einerseits ein extrem spannendes, manchmal auch hartes Buch, mit dem ich meine Leser tief in die menschlichen Abgründe schauen lassen will. Schon seit jeher interessieren mich die Lebensgeschichten und Schicksale von Menschen, das Schöne und das Schreckliche, das ihnen zustößt, all das möchte ich verstehen. Bei meinem neuen Krimi habe ich mir die Frage gestellt: „Kann man über Nacht zum Mörder werden?“ Die Antwort war erschreckend und faszinierend zugleich: Man kann.
Gleichzeitig ist dieser Krimi, bei aller Spannung, auch frech und politisch unkorrekt, das Schreiben daran hat mir großen Spaß bereitet. Ich sehe den schwarzen Humor in diesem Buch als schönen Kontrapunkt zu einer dramatischen und mitreißenden Handlung.

Interview mit einem Mörder“ ist nicht der erste Krimi rund um den Totengräber Max Broll ...
Ich habe im Laufe der Jahre eine sehr enge Beziehung zu meinen Figuren entwickelt. Sie sind zwar in meinem Kopf entstanden, aber ich liebe den Totengräber Max Broll und den Ex-Fußballstar Johann Baroni so, als wären sie reale Personen. Mit diesem neuen Krimi habe ich die beiden also wieder zum Leben erweckt, eine spannungsgeladene Geschichte erzählt, die viel mit Liebe, Leidenschaft und Freundschaft zu tun hat.

Was macht den typischen Aichner-Krimi aus?
Typisch für meine Krimis ist sicherlich, dass sie eine große Spannung aufbauen, sich schnell lesen lassen und trotz aller Dramatik nie ihre Leichtigkeit verlieren. Emotionen sind mir sehr wichtig. Die Leser sollen lachen, weinen, zittern, ich möchte sie auf eine emotionale Achterbahn mitnehmen.
Und: Ich habe im Laufe der Jahre meinen Ton gefunden, mein Tempo, meinen Sound. Der Roman hat ein hohes Tempo, stakkatoartige Satzfolgen, nur das Nötigste wird erzählt, nichts soll bremsen, keine Nebensächlichkeiten sollen das Tempo rausnehmen. Ich erzähle hier von einer Figur, einem Mörder, der getrieben ist – und dieses Getriebensein jagt auch den Leser durch das Buch. Es ist ein schwungvoller, leidenschaftlicher Ritt, man steigt auf den ersten Seiten auf das Pferd und reitet los, und kommt bis zur letzten Seite nicht mehr zum Stillstand.

Kann man Ihr neues Buch mit Ihrem international sehr erfolgreichen Thriller „Totenfrau“ vergleichen?
Es ist sicherlich die Faszination des Todes, die einen gemeinsamen Nenner bildet. Brünhilde Blum aus dem Thriller „Totenfrau“ ist Bestatterin, Max Broll lebt am Dorf und ist Totengräber. Das Thema Tod beschäftigt mich, ich habe mich immer schon gerne auf Friedhöfen herumgetrieben, diese stille, verwunschene Atmosphäre hat etwas Unheimliches und Faszinierendes für mich.
Ich bin ein sehr neugieriger Mensch, deshalb habe ich während der Arbeit an „Totenfrau“ beschlossen, ein Praktikum bei einem Bestattungsunternehmen zu machen. Es war eine richtig schöne und am Anfang auch sehr schräge Erfahrung: dem Tod als großes Tabu näherzukommen, zu akzeptieren, dass wir letztendlich alle sterben werden. Meine Dankbarkeit, leben zu dürfen, ist gewachsen. Über das Sterben spricht man ja nicht gern, die Verstorbenen sollen so schnell wie möglich unter die Erde, das Leben soll weitergehen, der Tod soll keinen Platz bekommen. Das hat mich immer befremdet. Deshalb wurde ich neugierig, deshalb habe ich in der Bestattung mitgearbeitet. Deshalb habe ich auch kürzlich wieder ein Grab ausgehoben. Und habe Probe gelegen, so wie es mein Held Max auch immer macht.

Max Broll und sein Gegenspieler, der – mutmaßliche – Mörder Fink, kommen sich in diesem Buch ungewöhnlich nahe – hatten Sie keine Angst um Ihren Helden?
Das ist das Besondere an diesem Buch: dass Max dem Monster sehr nahe kommt, ihm beim Töten über die Schulter schaut, dass stellenweise beinahe etwas wie Freundschaft oder Verständnis aufkommt. Dass Max sein Gegenüber aber nicht stoppen kann und fast daran verzweifelt. Der Mörder in diesem Buch spielt Schicksal, und Max will dieses Schicksal ändern. Er muss. In diesem Buch habe ich die Jagd nach einem Mörder erzählt, bei der die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen.

Ihre Max-Broll-Krimis spielen in einem kleinen Dorf – so wie das kleine Dorf in Osttirol, in dem Sie aufgewachsen sind. Steckt etwas davon in Ihrem neuen Buch?
Der Ort, in dem Max lebt, hat keinen Namen. Auch wenn ich meine Heimat Tirol liebe, spielt sie keine Hauptrolle in meinen Büchern, der lokale Bezug ist völlig unwichtig. Meine Romane sind keine Regio-Krimis, die Orte sind im Grunde austauschbar, ich möchte spannende Bücher schreiben und keine Reiseführer. Es geht um Emotion und nicht um Landschaft, ich möchte fesseln und mitreißen, Gefühle vermitteln und dabei der Fantasie des Lesers so viel Raum wie möglich lassen.

Ihr Held Max Broll verliebt sich in diesem Roman, er geht auf eine Kreuzfahrt, verbringt neben der Jagd auf den Mörder romantische Stunden – ist „Interview mit einem Mörder“ nicht nur Krimi, sondern auch Liebesroman?
Ein guter Roman kommt ohne Liebe nicht aus. So wie auch ich nicht. Liebe treibt alles an, macht alles schöner, auch dieses Buch. Anna Fröhlich, in die sich mein Held verlieben darf, ist eine wunderbare Frau, gleich spontan und verrückt wie Max, sie steht ihm bei, zweifelt mit ihm, treibt ihn an, verdreht ihm den Kopf. Hinreißend ist das.

Sie sind ein Autor, der sehr offen auf seine Leser zugeht, zum Beispiel sind Sie täglich auf Facebook aktiv – warum?
Ich möchte mein Publikum als Gegenüber wahrnehmen, mich mit ihm austauschen, Nähe herstellen, wahrnehmen, wie es ankommt, was ich schreibe. Facebook hilft, Kontakte zu knüpfen, natürlich auch Marketing zu betreiben. Man kann innerhalb kürzester Zeit etwas transportieren, Nachrichten weitergeben, Interesse wecken. Und es macht auch Spaß, das Schreiben ist ja ein einsames Geschäft, da kommt mir Ablenkung immer wieder sehr gelegen. Einmal wischen nach links, ein kleiner Dialog mit Freunden, dann wieder wischen nach rechts, und wieder eintauchen in meinen Roman.


Herzlichen Dank an Bernd Aichinger für das Interview!

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