Donnerstag, 12. Januar 2017

Gelesen: Keine Ahnung, wo wir hier gerade sind

Hallo ihr Lieben, ich hoffe, ihr seid gut ins neue Jahr gekommen? Ich beginne das Jahr mit einer Buchrezension, die ich lange vor mir her geschoben habe:


Das Buch wurde freundlicherweise von Literaturtest kostenfrei zur Verfügung gestellt. Hier findet ihr weitere Informationen: klick. Eine Leseprobe kann man sich dort ebenfalls anzeigen lassen. Vielen Dank nochmal für das Rezensionsexemplar.

Beschreibung
Ein bisschen ist das mit dem Fernbus wie mit einer durchzechten Nacht. Man kommt dehydriert und zerknautscht zu Hause an und schwört sich: nie wieder. Bis zum nächsten Mal. Denn wer billig und flexibel verreisen will, muss in den Bus. In seinem Inneren herrscht fröhliche Anarchie: Es gibt keine Sitzplatzreservierung, keine Businessclass, keine Gepäckaufgabe. Beziehungen werden kurz vor der Abfahrt in Hamburg beendet und auf dem langen Weg nach München beweint, der Fahrer steht auf Helene Fischer, und der Typ hinten links lässt garantiert seinen Geldbeutel an der Tankstelle liegen. Dennoch schwören Millionen auf den Bus. Auch Sina Pousset steigt leidenschaftlich gerne ein und erzählt in ihrem Buch hautnah vom letzten großen Abenteuer unserer Zeit – dem Fernbusfahren!(Quelle: Blogg dein Buch)

Autor
Sina Pousset studierte Kunst- und Literaturwissenschaft in Karlsruhe, Paris und Oxford. Seit 2012 schreibt sie für die Süddeutsche Zeitung, jetzt.de sowie das Süddeutsche Zeitung Magazin. Sie lebt heute als freie Autorin in Berlin und wartet liebend gerne auf einen Bus, wenn es sie in die Ferne zieht.(Quelle: Blogg dein Buch)

Das Buch
Das Taschenbuch hat 256 Seiten und wurde am 17. Oktober 2016 beim Goldmann Verlag veröffentlicht. Es lässt sich flüssig lesen, Rechtschreib- oder Satzfehler sind mir nicht aufgefallen.

Meinung
Busfahren - als Kind Horror für mich, da ich sehr schnell reisekrank wurde. Die hinteren Busreihen waren für mich stets ein unerreichbarer Ort, zumindest wenn ich dort mehr als nur ein paar Minuten bleiben wollte. Jetzt als Erwachsene ist das zum Glück wesentlich besser geworden und in der letzten Zeit kam das Thema Fernbus als Alternative zu Bahn oder Auto schon das ein oder andere Mal auf. Außerdem lese ich leidenschaftlich gerne Berufsblogs, zum Beispiel von Apothekern, Ärzten, Bestattern, Taxifahrern und so weiter, und liebe dabei vor allem die Geschichten rund um die verschiedensten Menschen. Kleine Einblicke in deren Leben, Eigenarten und Kuriositäten, witzige und traurige Momente, all das in kleine Geschichten verpackt. Gute Voraussetzungen also für ein Buch, das mir einen Einblick in die mir bisher fremde Welt des Fernbusfahrens geben will.

Neugierig begann ich also zu lesen, doch schon nach den ersten paar Seiten kamen mir leise Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit der Autorin. Frau Pousset schleppt Laptops, Handys und sonstiges Gerät zum Arbeiten im Bus mit sich herum, ist jedoch nicht in der Lage, sich den Weg zur Fernbus-Haltestelle zu merken. Ich meine, wenn ich nicht in der Lage bin, mir etwas länger als fünf Minuten zu merken (ich bin auch jemand, der sich eher an Orten / Gebäuden orientiert, und das ist in fremden Städten ja eher nicht möglich weil man die Gegend nicht kennt), dann sollte man sich entweder den Weg aufschreiben / ausdrucken oder zumindest das eigene Handy benutzen und sich per Navigation zum richtigen Ort lotsen lassen. Allerdings gestaltet sich das erste Kapitel so, als ob Fernbusreisende nur rein zufällig den richtigen Weg finden weil auch andere schwitzende schnaufende Leute in die gewählte Richtung unterwegs sind und man sich in kleinen Horden auserwählter Verirrter zusammenschließt und gemeinsam am Ende doch noch die Haltestelle zu finden. Hm.

Weiter geht es mit Erlebnissen, wie man drei Busse hintereinander verpassen kann weil man nicht das Datenvolumen sondern das grottige Busbahnhof-WLAN benutzt. Hmhm. Würde ich wohl anders machen.

Dann folgen Geschichten, die mir persönlich das Fernbusreisen dermaßen unsympathisch machen, dass ich lieber darauf verzichten möchte. Ob seltsame Körpergerüche, Schnarchen, feuchte Aussprache und Sabbern, verdreckte oder verstopfte Toiletten inkl. einschlägiger WC-Gerüche, verrückt spielende Klimaanlagen, von Stalkern und furchtbaren Flirtversuchen mal ganz zu schweigen. Die Autorin scheint Menschen im Allgemeinen nicht sonderlich zu mögen, entweder hat sie wirklich dermaßen viele seltsame Menschen getroffen oder sie schmückt die Geschichten einfach sehr aus, anders kann ich es mir nicht erklären, wie man von einem Stereotypen zum anderen springt.

Nach einigen Kapiteln habe ich den Rest nur noch überflogen und mir einzelne Geschichten von weiter hinten herausgepickt in der Hoffnung, ein paar nette Stories zu finden. Geschichten aus dem Leben eben. Doch da die Autorin um jeden Preis Kontakt mit ihren Mitfahrern vermeiden möchte sobald sie die Haltestelle denn gefunden hat, suchte ich solche Geschichten vergebens. Gut, von Zeit zu Zeit wurde auch ein wenig geflirtet, doch eine Zigarette später war das auch wieder vorbei.

Mein Fazit: Zum Fernbusreisen wird mindestens eine Indiana-Jones-Ausbildung benötigt. Oder alternativ könnte man auch einfach den gesunden Menschenverstand einschalten und aufhören, Menschen zu verurteilen, die genauso sind wie die Autorin selbst. Ich werde jedenfalls in der nächsten Zeit keinen Fernbus benutzen und vergebe mit zwei zugedrückten Augen noch zwei Sterne.


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